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Die Sache mit der Zahnschiene

Die Sache mit der Zahnschiene

Mein Mann regt sich selten auf, aber wenn, dann richtig. Und letzte Woche war es mal wieder so weit. Der Grund hat vier Beine, trägt Flokati und ist gerade im dreiwöchigen Sonderurlaub bei Oma und Opa. Dort liegt er völlig unauffällig und pflegeleicht in der Gegend rum und macht seinem Aussehen alle Ehre. Kein Wunder, sage ich da nur. Der Hund ist ausgepowert von all dem Mist, den er hier so anstellt.
Der Zerstörer
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hat Ben ein Faible für medizinisches Gerät. Nachdem er, wie berichtet, mit großer Begeisterung ein Langzeit-EKG vom Hausarzt zerstört hat – 150 Euro Selbstbehalt bei der Tierhaftpflicht – hat er letzte Woche versucht, die Zahnschiene unserer Tochter anzuprobieren. Sie hat leider nicht gepasst, weshalb er sie kurzerhand gefressen hat, also zumindest ein Drittel. Dann hörte ich ihn schmatzen und hab ihm die Reste aus den Lefzen gerissen.
Corpus Delicti
Nun weiß ich ja nicht, was eine Zahnschiene aus Silikon mit dem Verdauungstrakt des Hundes so anstellt. Wahrscheinlich nicht viel mehr als Einweghandschuhe, Luftballons oder Christbaumkugeln… Da ich ihn aber nun mal in flagranti erwischt hatte, beschloss ich beim Tierarzt nachzufragen. Das Schlagwort „Darmverschluss“ trieb mich samt begeistertem Hund dann doch in die Praxis.
Dort gabs Brechmittel aus der Spritze für ihn und ein dezentes pinkes Eimerchen für mich, mit dem Hinweis, draußen mal ein bisschen rumzulaufen. Wie soll ich sagen, es war eine interessante Erfahrung. Hier die Tragödie in drei Akten.
Erster Akt
Ich also mit Hundchen (mittlerweile Hüfthöhe) und Eimerchen unterwegs, einmal ums Eck bis vor die Apotheke. Da kamen wir dann zu einem abrupten Halt. Ich sags Euch, der Hund hats mit der Medizin.
Während sich Ben die Untaten des Morgens nochmal durch den Kopf gehen ließ, manchmal in den Eimer, am liebsten aber daneben, führte ich fröhlich-skurrile Konversationen mit den Passanten. Passantin: „Ach jö! Geht’s dem nicht gut?“ Hund: „Würg!“ Ich: „Wieso? Das machen wir immer so!“ Passant: „Was is’n das für einer?“ Hund: „Würg!!“ Ich: „Kennen Sie Würgeschlangen? Das hier ist so was ähnliches. Nur halt als Hund.“
Zweiter Akt
Dann ging es ein paar Meter ums Eck, direkt vor den Eingang einer – wie soll es anders sein –  Hausarzt-Praxis. Mittlerweile hatte Benni ungefähr fünfmal gekotzt und das blaue Silikonteil schwamm quietscheentchengleich im pinken Eimer. Für mich und den Hund hätte es an dieser Stelle gereicht, aber das Brechmittel sah das anders.
Passantin: „Hat der Magen-Darm?“ Hund: „Würg!“ Ich: „Ja, wir kommen gerade vom Arzt (zeige zur Hausarzt-Praxis).“ Passant: „Ach Mensch, was hat der denn gemacht?“ Hund: „Würg!!!!“ Ich: „Ja komisch, der hat heute morgen eine Trump-Rede auf Youtube gesehen, seitdem hört das nicht mehr auf.“  Anwohner: „Kann man irgendwie helfen?“ Hund: „WÜRG!!!“ Ich: „Ja, Sie könnten ihn mir zum Auto tragen. Haben Sie einen Regenmantel?“
Dritter Akt
Armer Schatz
Etwa zehn Kotzattacken später und rund 50 Meter vor der Tierarztpraxis war dann Schluss. Mein armer Schatz – mitterweile konnte ich ihn von Herzen wieder so nennen – machte keinen Schritt mehr. Passantin von vor der Apotheke: „Und nun?“ Hund: „…“ Ich: „Jetzt ziehen wir hier hin. Wenn Sie vielleicht einen großen Pappkarton besorgen könnten?“
In der Tat hätte ich mich am liebsten dauerhaft zu meinem armen Hund aufs Gehsteigpflaster gesetzt, aber es war ein eiskalter Morgen und irgendwie hatte ich mich auch genug unterhalten. Also rief ich in der Praxis an und fragte, ob man mir wahlweise den Hund oder das Eimerchen abnehmen könne. Die Sprechstundenhilfe kam gerannt, nahm den Eimer mit dem mittlerweile untergegangenen Corpus Delicti und ich warf mir den apathischen 30 Kilo-Hund über die Schulter.
Wie es weiterging…
Der Rest ist schnell erzählt: Wir haben es ohne weitere Zwischenfälle nach Hause geschafft – versorgt mit einer Brechstopp-Pille, die ich übrigens gerne schon früher gehabt hätte. Der Hund durfte ausruhen und mir gelang es bis zum Abend, die gesamte Geschichte vor dem Rest der Familie zu verheimlichen. Dann wollte meine Tochter ihre Zahnschiene einsetzen…
Und die Moral von der Geschicht? Da fallen meinem Mann gleich eine ganze Handvoll ein. Ja, ich weiß, ich hätte die zweite Schlafzimmertür besser zumachen müssen und die Schiene statt auf den Nachttisch, aufs Regal legen können. Hätte uns gut 300 Euronen gespart. Aber ich sage euch, der Hund arbeitet das irgendwie ab…
Es grüßt aus den sonnigen Mittelrheinbergen

Eure Nachbarin

PS: Wer nun glaubt, Tölchen hätte irgendwas aus der Sache gelernt, kann im Hunderziehungsratgeber nachlesen, dass eine Reaktion innerhalb von einer Sekunde nach Untat eintreten muss, damit Hundi eine Verbindung der beiden Ereignisse herstellen kann. Also außer Spesen nix gewesen…
Hallo, mein Name ist  „Nein“…

Hallo, mein Name ist „Nein“…

 … und manchmal heiße ich auch „Verdammt nochmal, ich habe nein gesagt!“ Ich bin ein (hoffentlich Anm. d. Red.) fast ausgewachsener Goldendoodle, aber niemand, absolut niemand hat damit gerechnet, dass ich so groß werden würde, dass ich mein Kinn bequem auf den Küchentisch legen kann. Das war lange Zeit mein persönlicher Vorteil, denn so mussten sich alle nach und nach darauf einstellen, dass ich so ziemlich überall drankomme.
Alles lecker
Ich mag am liebsten Sachen essen, die ich nicht essen soll. Das war schon immer so. Kiloweise angegorene Zwetschgen aus dem Garten brachten mich beschwingt durch die Welpenzeit, ergänzt von Blumenzwiebeln, Pilzen unbekannter Sorte, angefaultem Rasenschnitt und jeder Menge Kirschlorbeerbeeren. Hin und wieder ein Efeublatt oder ein wenig Vogelfutter dazu – so kommt man durch den Tag und kann das angebotene Hundfutter im Napf mit Verachtung strafen.
Hoover
Das Beste waren die Spaziergänge mit dem unerfahrenen Frauchen: Hier ein bisschen Dünger, dort ein leckerer Pferdeapfel, zum Nachtisch ein Knöchelchen oder etwas Müll, ich bin da nicht wählerisch. Frauchen hat mir irgendwann den Beinamen Hoover gegeben. Angeblich weil ich alles wegsauge, was in der freien Natur so rumliegt. Man muss halt irgendwie auf seine Kosten kommen. Leider sieht mein Frauchen das etwas anderes und so hallte mein Name „Nein“ lange Zeit im 30-Sekundentakt über die Felder. Hin und wieder landete auch ein Dreckklumpen auf meinem Fell. So kanns einem echt vergehen.
EKG
Ich hab mich dann aufs Kauen verlegt. Super gehen Einlegesohlen. Am liebsten aus Schafwolle – yummy – aber auch die vom Herrchen, aus Leder. Weicher Kunststoff fühlt sich grandios an, wenn man darauf rumkaut. Judomatten sind genauso zu empfehlen, wie Taucherbrillen und Kabel. Zum Beispiel von einem EKG. Das steht für „Echt krasser Geschmack“ und ich habe es beim Großherrchen (Opa Anm. d. Red.) gefunden und gleich alle EKG-Pads abgenagt. Der fand das jetzt nicht so toll, denn es war das EKG von seinem Hausarzt. Aber warum soll nur der in den Genuss kommen?!
Hier bin ich etwa halb so groß wie heute
Großfrauchen (Oma Anm. d. Red.) hat mich mal beobachtet. Das macht die so gut, dass merke ich gar nicht. Aber am Telefon hat sie dann Frauchen gepetzt. Großherrchen hätte eine Schüssel mit Salat in die Kühlung gestellt, hat sie erzählt. Die Kühlung ist der Terrassentisch und da stand die Schüssel direkt vor meiner Nase. Eigentlich stand sie mitten drauf, sagt Großfrauchen. Erst hätten sich ein paar Amseln draufgesetzt. Da hat sie noch nichts gesagt. Aber kurz darauf hat sie mich gesehen, wie ich meinen Kopf in der Schüssel versenkt habe. Da hat sie das gute Zeuch ins Klo gekippt. Schade eigentlich – ich hätte es gefressen: Salatblätter, Paprika, Gurken. Alles yummy!
Weihnachtszeit!!
Die Weihnachtszeit ist auch echt super. Immer liegt irgendwas Leckeres rum. Adventsgestecke, Weinachtsteebeutel und das beste: Lebkuchen mit Schokoüberzug! Da hab ich mir gleich mal fünf genehmigt. Komisch, alle haben sich drüber aufgeregt, dabei essen die das doch selber. Giftig sei das für Hunde. Da sollten sie aber mal meine Cousine Zoey fragen. Das kluge Tier hat am 1. Dezember den Pärchen-Adventskalender von Herrchen und Frauchen leergemacht: 47 Pralinen. Die 48. war wohl irgendwie faul, die hat sie liegen lassen. Also ich hätte sie genommen. Faul ist immer gut.
Teechen
Irgendwie räumen meine Herrschaften mittlerweile richtig akribisch auf. Das hat angeblich jahrelang nicht so gut geklappt, sagt Herrchen. Ich finde das eher doof. Muss ich halt Sachen annagen, die sie nicht wegräumen können. Fußleisten sind super. Und Herrchen ist auch so nett, da immer wieder neu Spachtelmasse draufzuschmieren. Er denkt, dass könnte mich irgendwie abhalten, weil er nicht weiß, wie lecker Spachtelmasse ist. Genauso wie diese kleinen Zementbröckchen, die noch hier und dort auf dem Balkon rumliegen. Dafür lasse ich sogar das Vogelfutter stehen…
Brille – auch lecker
Eine gute Futterquelle ist auch immer das kleine Frauchen. Vorgestern hat sie so kleine Tuben auf den Küchenboden geschmissen und nicht wieder aufgehoben. Sie ist nicht ganz so akribisch mit dem aufräumen. Ich hatte gerade zwei von dreien zerkaut, als es plötzlich sehr laut wurde. Frauchen sagte „Wuahhhhh“, Herrchen riss mir die Tuben weg… Und dann wunderten sich alle, wieso mir der Sekundenkleber nicht alles verklebt hat. Ja, wenn man mich mittendrin beim Essen stört…
Mein Adventsgesteck
Jetzt kommt anscheinend Weihnachten. Ich dachte, das ist schon die ganze Zeit. Aber da geht wohl noch mehr. Extra für mich haben sie ein riesiges Weihnachtsgesteck ins Wohnzimmer gestellt, mit ganz viel Kunststoff dran und Lichtchen. Ich freue mich schon über den unbeobachteten Moment, in dem ich dem Ding den Garaus machen kann. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten allerseits!!
Euer Nein alias Benni
Probleme?!

Probleme?!

Als ich gerade so meiner Tochter nachgeschaut habe, wie sie in Quasimodohaltung hinter ihrem Vater her zum Kindergarten schwankte, dachte ich, es ist mal wieder Zeit für ein paar Einblicke in unseren Alltag. Der Quasimodo hat nichts mit der aktuellen Befindlichkeit oder motorischen Defiziten zu tun, sondern mit dem Wetter. Nachdem mein Mann es grundsätzlich und ich nur wegen der Bindfäden vorm Fenster ablehnte unser Töchterchen auf ihrem Steckenpferd Sabrina in den Kindergarten reiten zu lassen, gab es die ersten Tränen des Tages.
Eine Alternative musste her und die kam in Gestalt von Amadeus – Ähnlichkeiten zu den Pferdenamen bei Bibi und Tina sind natürlich rein zufällig. Amadeus ist ein gefühlt lebensgroßes Kuschelfohlen mit übertrieben langen Plastikwimpern und allerlei Funktionen. Zu diesen gehört eigentlich nicht, dass man darauf reiten kann, aber wo ein Wille da ein Weg.
Und deshalb klemmt Amadeus statt des Steckenpferdes nun zwischen den Knien meiner Tochter. Die Zügel hat sie unter den Vorderbeinen durchgezogen, hält sie mit aller Macht hoch und wankt verkrampft und o-beinig, wie ein Fußballer nach der 90sten Spielminute, in Richtung Kita. Aber hej, sie ist glücklich und wie sagt meine Freundin mit den drei Kindern und dem Hund immer: Wir brauchen Lösungen. (Nachtrag: 100 Meter hat sie durchgehalten, dann ist sie samt Reittier in eine Pfütze gefallen und musste – ebenfalls samt Reittier – vom Vater in die Kita getragen werden.)
Problemlöser
Um Lösungen ist in dieser Familie vor allem einer nicht verlegen: der Opa. Nicht umsonst sammelt er mit großer Energie und seit Jahrzehnten „Problemlöser“. Das sind Plastikteile in
verschiedenen Größen, Formen und Farben vom Deckelchen bis zur Wanne. Außerdem Häkchen, Seile, Schnüre, Winkel, Hölzer und Hölzchen, Walzen und Wälzchen, Teppichreste,
Planen, Plexiglasdächer, Werkzeuge. Dinge, die man mit (viel) Fantasie als Werkzeuge benutzen kann. Dinge, zu denen anderen auch mit viel Fantasie keine Einsatzmöglichkeit einfallen würde. „Ihre Zeit wird kommen“, sagt mein Vater immer und wenn, dann ist er bereit.
Also meistens. Manchmal aber fehlt dann doch dieses entscheidende Teil, das jetzt genau passend und vonnöten wäre und dass er – er weiß es noch genau – 1997 hinten an den Gartenzaun gelegt hat. Warum es da nicht mehr liegt, kann man eigentlich nur meine Mutter fragen: ebenfalls sehr kreativ, allerdings mit einem ausgeprägten Sinn für Schönes und ORDNUNG. Ersteres und Mittleres habe ich von ihr geerbt, letzteres leider gar nicht. Meine Mutter also krankt an den Sächelchen und Sachen, den Dingelchen und Dingen, die monströs im Weg rumliegen und ihr ästhetisches Auge stören. Gewelltes Plexiglas geht mit liebevoll gepflegten Rabatten nicht unbedingt eine günstige Liaison ein, wird aber – auf dem Rasenmäher aufgeschraubt – als Regenschutz gebraucht. So kann man nämlich dann auch bei Regen mähen…

Wolf im Schafspelz
 Und das ist in diesem Sommer echt mal ein Argument. Unser Hund, der eigentlich aussieht wie ein Lamm und sich auch so anfühlt, walzt einmal durch den regennassen Garten und ist nicht wiederzuerkennen. Wundersamerweise verflüchtigt sich der Schlamm analog zum Trocknungsgrad und am Schluss ist er wieder wie neu. Dafür knirscht es im Wohnzimmer etwas unter den Fußsohlen. Noch ist es das Wohnzimmer meiner Eltern, denn noch verlebt er dort
seine glückliche ungestörte Welpenzeit unter fachkundiger Anleitung meines Vaters. Bevor er dann demnächst in unser Alltagschaos hineinkommt, wobei ihm
wahrscheinlich Hören und Sehen vergeht.

Vorher gewöhnt er sich hoffentlich noch das Beißen ab, denn während andere Vierbeiner in dem Alter Möbel und Schuhe essen, liebt er sommerlich textilfreie Zehen, Waden und bei kleinen Menschen, wie meiner Tochter, einfach alles, was irgendwie zu fassen ist. Sie verbringt daher die größte Zeit des Tages in Buddahaltung auf dem Küchentisch oder anderen geeigneten Aussichtsposten und wartet darauf, dass er ein anderes Opfer findet. Und das wird er! Bis sie es eben wagt, ihre sichere Höhenlage zu verlassen. Dann ist sie dran, reif und fällig. Benjamin Buttoneye – der Wolf im Schafspelz.
Think positive
So! Ein Blick in den grauen Regen und ich bin froh, dass ich heute arbeiten darf und nicht etwa Urlaub habe. Was für ein Glück! An Euch alle da draußen, die Ihr auch in der Schlechtwetterfront ausharrt. Think positive, andere Jahre haben auch einen Sommer – vielleicht sogar einen schöneren.
Eure Nachbarin
Unser Einzelkind

Unser Einzelkind

… ach, was gibt es so viele Vorurteile über Einzelkinder. Da muss ich gar nicht recherchieren. Ich habe sie selbst. Und – ich habe ein Einzelkind. Nicht ganz freiwillig, aber doch. Ich liebe meine Prinzessin heiß und innig. Und der Papa auch und die Großeltern, Tanten und Onkel… Unsere Maus ist nämlich wirklich ein Einzelkind. Das einzige Kind der gesamten Familie!
Das bedeutet viel Aufmerksamkeit – in Form von Zuhören, in Form von Geduld, in Form von Streicheleinheiten, in Form von Spielestunden. Ein Kind kann gar nicht genug Liebe und Förderung bekommen. Von daher alles bestens…
Sie hat viel Kontakt zu Gleichaltrigen. Der Freundeskreis ist groß, der Bezug zu anderen Familien gut. Unser Einzelkind ist kein einsames Kind. Sie ist sozial, hängt sehr an ihren Freunden, verleiht ihre Spielsachen ohne zu zögern, kann teilen… (Blöd, dass ich das überhaupt betone. Da schwingen sie wieder mit, die Vorurteile.)
Auch Einzelkinder müssen abgeben
Und trotzdem fehlen natürlich die Geschwister. Zum Spielen, aber auch zum Abhärten, zum Wartenlernen, zum Durchhalten, zum Selbständigwerden und als hilfreiche Koalition gegen uns Eltern. Da wir Eltern uns meist enervierend einig sind, heißt es oft zwei gegen einen. Meine Erfahrung ist: Auch ein Einzelkind muss abgeben können Nicht unbedingt das Spielzeug oder das letzte Kuchenstück, aber Zeit.  Und die kann ganz schön lang werden.
Denn wenn wir Eltern so langweilige Dinge tun, wie aufräumen, arbeiten, ein Haus sanieren… und sie nicht gerade bei einer Freundin ist, ist da eben kein anderes Kind zum Spielen oder Zanken oder zumindest Ablenken. Dann ist sie allein. Manchmal spielt sie dabei herrlich für sich. Meistens aber, fehlt ihr der Spielpartner. Anstrengend für sie und anstrengend für uns, die wir dann ständig gefragt sind und irgendwann auch gereizt reagieren.
Extraportionen
Vor allem bei mir ist da immer das schlechte Gewissen, ihr etwas vorzuenthalten. Auch wenn ich an der Situation nichts ändern kann. Dann bekommt sie eine Extraportion Zeit und noch eine und noch eine. Bis meine Alltagspflichten sich häufen. Natürlich bekommt sie auch eine Extraportion Helikoptertum. Ich weiß, dass das die Selbständigkeit nicht gerade fördert. Deshalb verstecke ich meine Argusaugen so gut es geht hinter meiner Brille und freue mich für sie über (mama)befreite Kitazeiten.
Die Vorteile
Das klingt jetzt alles so negativ. Ist es gar nicht. Zu Dritt zu sein hat auch große Vorteile. Viel Nähe, Zeiten der Ruhe und Entspannung, genug Platz im Familienbett, ein Freizeitprogramm, dass sich ganz auf die Bedürfnisse einer Vierjährigen ausrichtet und nicht auch noch zu einem Einjährigen oder einer Achtjährigen passen muss. Und natürlich Großeltern, die ihre Enkelin problemlos für ein paar Tage zu sich nehmen können und uns Eltern damit echte Zweisamkeit schenken…
Nicht jeden Tag wünsche ich mir deshalb ein zweites Kind. Oft bin ich glücklich und zufrieden mit der Situation, die wir so nicht geplant hatten. Und wenn es dann mal wieder zwickt, dann blogge ich halt darüber, obwohl ich eigentlich über etwas anderes schreiben wollte: Den Familienspaziergang mit vier Erwachsenen und EINEM Kind. Der kommt dann beim nächsten Mal.
Es grüßt euch ganz lieb!
Eure Nachbarin
Wir haben es getan!

Wir haben es getan!

Ostern steht vor der Tür und wir sind drin – im neuen halbfertigen Haus. Die Küche steht und wir stehen auch noch. Tochter hat ihr Zimmer mit den Worten in Besitz genommen: „Das liebe ich, der Rest nervt mich.“ Mich auch. Also nicht alles, aber diese halbfertigen Räume, die verhindern, dass wir alle Möbel aufstellen. Viel mehr liebe ich aber das ganze Haus. Mit ein bisschen Wehmut im Herzen haben wir die Wohnung hinter uns gelassen, in der die Maus ihre ersten Lebensjahre verbracht hat.

Haben den Schlüssel abgegeben, den Namen vom Briefkasten gekratzt, die Vermieterin ans Herz gedrückt und sind nach einem Dreiviertel Jahrhundert (okay, war nur ein Dreiviertel Jahr, aber es fühlte sich so an) von den Fischern zu den Bergbauern gezogen.

Ich danke…

Dass es überhaupt so weit kommen konnte verdanke ich vielen großartigen Menschen. Allen voran meinem Mann: unermüdlich, hartnäckig und stark. Hält Handwerker bei Laune. Kapiert Zusammenhänge, die ich nicht mal im Ansatz… Stellt Fragen, auf die ich niemals… lassen wir das.

Mein Vater: Elektriker, Bauingenieur und erfahrener Allrounder mit Tricks auf Lager, die uns in 100 Jahren nicht einfallen würden. Und sie funktionieren! Meine Mutter, die jetzt mit ihrem kreativen Gespür gefragt ist und sich viele Nächte mit der Lieblings-Enkelin um die Ohren geschlagen hat. Meine Schwiegermutter, die mit mehr Ausdauer als wir Tapete gekratzt hat und ganze Nachmittage hindurch Rollenspiele spielt.

Bruder, Schwester und Schwager, die mit angepackt haben, Paten, die gehütet und gespachtelt haben. Großartige Freunde und Nachbarn, die da waren zum Hand anlegen und Kisten schleppen. Danke auch an meine Lieblingsnachbarin vom Rhein fürs Töchterchen hüten und ihrem Mann für den großartigen wunderbaren Sessel! Und jetzt wieder zurück aufn Berg.

Back to Nature

Hier gibt es viel Natur. Es kreucht und fleucht. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich im noch kahlen Baum ein Riesennest, das von irgendwelchen Hupfdolen gebaut wird. Im Garten finkige Meisen und meisige Finken und schätzungsweise drei Trillionen Mauselöcher (wir brauchen nen Tiger). Letzte Woche eine Herde (Schwarm? Rotte?) Wildschweine vorm Kühler. Und vor ein paar

Tagen rief Töchterchen: „Da ist ein Graureiher über den Garten geflogen!“ Ich: „Ja klar. Äh wo?“ Sie: „Da!! Schon wieder!“ Ich sah nix und dachte mir meinen Teil: ‚Von wegen Graureiher, war bestimmt ne Amsel.‘

Bis ich kürzlich am Fenster stand und sich plötzlich ein Schatten über die Scheune und den Vorplatz legte. ‚Was denn? Schon wieder eine Sonnenfinsternis??? Ein Flugzeug, das notlanden muss?‘, dachte ich. Nee, in der Tat: Ein Graureiher mit Monsterspannweite. Seither lasse ich mir von meiner vierjährigen Tochter die Welt erklären. Meistens. Wenn ich dann doch mal wieder den Oberlehrer raushängen lasse, werde ich gleich überführt.

Gegen Klugscheißerei

Heute morgen im Auto: „Mama, da ist wieder das Schild mit den Luftballons.“ „Ja, liebes Kind“, antwortete ich ohne hinzugucken, „das ist ein Hinweisschild für den Brathähnchenstand. Immer, wenn der Verkäufer mit seinem Auto auf dem Parkplatz da vorne steht und Hähnchen verkauft, stellt er das Schild auf, damit die Leute ihn finden.“ Sie: „Aha, und warum ist da ein Fisch drauf?“Ja, die Zeiten in denen ich in ihren Augen unfehlbar war, gehen langsam aber sicher zu Ende.

Was die nächsten Wochen so bringen? Eine neue Kita und eine neue Tanzlehrerin für die Maus und jede Menge Arbeit rund ums Haus. Außerdem bin ich wild entschlossen, den Scheunenhausblog aus seinem Winterschlaf zu wecken und unsere kreativen Ergüsse der vergangenen und noch folgenden Monate zu zeigen. Da geht noch einiges.

Ihr Lieben: Frohe Feiertage!

Eure Nachbarin vonm Berg