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Überraschung im Auto

Überraschung im Auto

Autofahrer und ihre Mitreisenden – ein durchaus gespaltenes Verhältnis. Da gibt es den – in 99 Prozent der Fälle – männlichen Beifahrer, der mitbremst, sich ab 30 km/h ängstlich an den Haltegriff klammert, unvermittelt gutturale Laute des Entsetzens ausstößt, die die Fahrerin zu hektischen Brems- oder Ausweichmanövern animieren. In jedem Fall weiß er viel besser als man selbst, wie man schalten, blinken, bremsen, beschleunigen, einparken oder den Parkschein platzieren sollte.

Dann sind da die kleinen Menschen im Fond des Autos, die bei 150 Sachen auf der Autobahn „jetzt sofort“ essen, trinken, was Süßes, aufs Klo oder den nächsten Film auf dem iPad runtergeladen haben wollen. Die zetern und zoffen, singen und pupsen, einem den Fuß durch die Fahrersitzrückenlehne in die Nieren rammen oder unter der Kopfstütze hindurch an den Haaren ziehen. Die sich langweilen, zum hundertsten Mal „Conni auf dem Bauernhof“ über den Auto-CD-Player hören oder einfach nur mal brechen müssen.

Ganz hinten hat der ein oder andere noch eine Fellnase sitzen. Sie sind meist die angenehmsten Passagiere, wenn sie das Fahren gut vertragen, sich nicht über die Geburtstagstorte für Oma oder den Räucherlachs vom Aldi hermachen oder sich ohne Vorwarnung beim Rückwärtsfahren aufsetzen und einem einen Herzkasper verschaffen, weil es im Rückspiegel aussieht, als stünde plötzlich jemand direkt hinter dem Auto. Davon abgesehen verleihen sie dem Wageninneren eine besondere Duftnote, die man als Herr- und Frauchen kaum noch wahrnimmt, die Ungeübte jedoch beim Einsteigen zurücktaumeln und spontan auf eine andere Mitfahrgelegenheit hoffen lässt.

GummispinneVon all jenem abgesehen macht Autofahren mit der Familie jedoch sehr viel Spaß. So wie letztens, als meine Tochter vom Beifahrersitz aus erst kritisch, dann mit wachsendem Ekel auf einen Punkt an der Autodecke starrte, der sich beunruhigenderweise genau über meinem Kopf befand. Ihr panisches „Iiiiii, Mama, was ist DAS denn?“, trug sie nicht gerade dazu bei, meine Herzfrequenz zu entschleunigen. Möglichweise machte das Auto auch einen kleinen Schlenker. „Da sitzt ne fette Spinne über deinem Kopf!!!“, überzeugte mich dann vollends, die Fahrt am nächsten Abzweig spontan zu unterbrechen und den Wagen ein wenig schneller als sonst zu verlassen.

Inzwischen hatte die mittelgroße Winkelspinne den Rückzug in Richtung Kofferraum angetreten, während ich so schnell ich konnte ums Auto herumlief, um ihr von der hinteren Seitentür aus den Weg abzuschneiden. „So schnell ich kann“ geht in der Regel einher mit „nicht schnell genug“. Und so zog ich in Sachen zügiger Fortbewegung mal wieder den Kürzeren. „Die ist in die Ritze vom Rücksitz reingeklettert“, informierte mich meine Tochter, sichtlich erleichtert, sich den vorderen Bereich des Autos nicht mehr mit dem achtbeinigen Monster teilen zu müssen.

Was soll ich sagen: Ich habe das Wageninnere an diesem Tag noch in seine Bestandteile zerlegt und viele spannende Dinge gefunden. Darunter ein halbes Croissant, ein Pixiebuch, den Sattel eines Schleichpferdes und einen Euro. McSpider ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Aber ich weiß, er wächst und gedeiht irgendwo unterm Rücksitz, ernährt sich von Krümeln, die es dort reichlich gibt. Er wiegt mittlerweile bestimmt 100 Gramm und hat noch fünf weitere Beine dazu bekommen. Er sitzt und und lauert und wartet genau auf den perfekten Moment… Ich habe angeregt, ein neues Auto zu kaufen.

Eure Nachbarin

Szenen einer Ehe

Szenen einer Ehe

Wenn alternde Ehepaare – also in diesem Fall mein Mann und ich – sich unterhalten, klingt das manchmal so:

Er (macht die Glotze aus): Wie fandste jetzt den Film?
Ich: Ganz gut, aber den Schauspieler mag ich nicht.
Er: Echt?
Ich: Ja, der hat doch letztens den Zuckerberg in diesem Facebook-Film gespielt.
Er: Nä!

Ich: Doch, guck! Der hat doch auch diesen Magier gespielt, in dem Film letztens, wie hieß der noch.
Er: ‚Die Unvergesslichen‘.
Ich (am googeln): Nee, ‚Die Unfassbaren‘!
Er: Stimmt. Aber das ist der nicht.
Ich: Aber der sieht genauso aus.
Er: Der sieht dem nur ähnlich…

Ich (nach einigen Minuten): Da gibts ja so einige Schauspieler, die sich so ähnlich sehen. So wie der eine…
Er: Wer?
Ich: Na, der in dem Film gespielt hat!
Er: Welcher Film?
Ich: Weiß ich nicht mehr!
Er: Worum ging es denn?
Ich: Weiß ich auch nicht mehr. Irgendwas mit… (seufz) Ich weiß es nicht mehr.
Er: Und wem sieht der ähnlich?
Ich: Na dem anderen. Hugh…
Er: Grant
Ich: Näää. Hugh, Hughen Mac Gregor!
Er: Ewan McGregor! Der sieht dem ähnlich?
Ich: Nee, nicht dem, aber so einer ist das auch…
Verständnisloses Schweigen.
Ich: Der hat in ‚Before Sunrise‘ mitgespielt.
Er: Ewan McGregor?
Ich: Nein. Der andere. Wie heißt der?
Er: Moment… (googelt) …äh, Ethan Hawke.
Ich (klatsche in die Hände): Ja genau!!
Er: Also der.
Ich: Nee, aber der sieht dem ähnlich. Hieß der nicht Baker…

Mein Mann gibt sich geschlagen, geht in die Küche und isst eine ganze Frust-Packung Bioschinken auf einmal auf.

Übrigens, wer immer noch nicht weiß, wer gemeint ist: natürlich Kevin Bacon. Wem der ähnlich sieht hab ich allerdings vergessen 😉

Äääh, was wollte ich schreiben…

Ach so, liebe Grüße

Eure Nachbarin

Der Weg ist das Ziel (Teil 2)

Der Weg ist das Ziel (Teil 2)

Wenn die Zeit drängt, sagen Informatiker gerne „T Minus“ und setzen dann eine entsprechende Minutenzahl dahinter. Die Zahl zeigt an, wie viel Zeit noch bleibt. Zum Beispiel bis das System abstürzt, etwas explodiert oder eine Braut am Ort der Trauung ankommen will (bevor ihr System abstürzt und sie explodiert.) Und dieser Zeitpunkt war für mich eine Stunde vor der Trauung, denn ich wollte den Gästen nicht vorher über den Weg laufen.

T Minus X

Es war also T-40 vor Ankunft und damit im eigentlichen Sinne noch nicht soooo spät, wie ich mich fühlte. Das erklärt auch, warum meine Familie eine gewisse Gelassenheit an den Tag legte, als ich mit wogendem Babybauch unterm Spitzenkleid auf den Parkplatz stampfte. Dort versuchten sie gerade, das wunderschöne Blumengesteck meiner Mutter auf der Motorhaube zu befestigen. Mein Puls lag zu diesem Zeipunkt ein wenig oberhalb des gesunden Maßes, so dass ich ihren Bemühungen nicht die angemessene Beachtung schenkte. Stattdessen blaffte ich irgendwas und platzierte mich brütend und mit zwei großen Ausrufezeichen in den Augen im Fond des Wagens.

Das Navi

Nach einem Blick in mein Gesicht, kamen die anderen dann erstaunlich schnell zur Einsicht, doch besser loszufahren. Gesteck hin oder her! Leichter Regen schlug gegen die Windschutzscheibe, während wir so fuhren. Eigentlich kannte ich den 30 Kilometer langen Weg, wollte aber in meinem Zustand und mit Blick auf die Uhr, die offensichtlich einen Weltrekord aufstellen wollte, doch lieber auf das Navi meines Vaters vertrauen. Damals wusste ich noch nicht, wo Navis einen so hinführen können (Rotkäppchen im Düsterwald).

Vielleicht hätte ich stutzig werden sollen, als das Gerät die Auffahrt zur Autobahn nicht fand und wir stattdessen langsam durch ein Bonner Rheindorf zuckelten. Aber ich war mit dem Wetter (15 Grad und Regen), dem Theologen (immer noch keine Rückmeldung) und dem Blumenschmuck auf der Motorhaube beschäftigt, der bedenklich vibrierte und dann auch just in dem Moment blütenwerfend nach oben schlug, als wir doch noch zur Autobahn fanden.

On the road

Bei T-30 brachte mein Vater das Auto auf dem Standstreifen zum Stehen. Bei T-29 hatte er das Gesteck in den Kofferraum verfrachtet und wir fuhren mit 150 Sachen über die erste Autobahn, der noch eine zweite, dritte und vierte folgen sollten, bevor es dann links in die Büsche ging. Kein Stau hielt uns auf, keine Polizei hielt uns an. Alles war gut und ich wagte, mich ein wenig zu entspannen. Zu früh, wie ich bald darauf feststellen sollte.

T-05: „Jetzt weiß ich auch nicht mehr, wo wir sind.“ Außerdem wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, während ich diesen Satz sagte und danach stumm auf das hübsche Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet starrte, vor dem wir gestrandet waren. Leider stand es an einem Wendehammer und die einzige Richtung, die uns blieb, war zurück nach Norden, obwohl wir eigentlich nach Süden wollten. Das Navi beharrte darauf, dass wir den Zaun des Hauses niederwalzen, durchs Gemüsebeet pflügen und dann durch den Gartenteich schippern sollten, um den dahinterliegenden Feldweg gen Süden zu erreichen, aber irgendwas hielt uns davon ab…

Metalcore für die Nerven

Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie wir aus dem Wohngebiet raus, auf die Bundesstraße drauf, durch drei weitere Dörfer hindurch und am Ende tatsächlich bis zur Einfahrt unseres Klosters gekommen sind. Wahrscheinlich war ich gnädigerweise in Ohnmacht gefallen. Jedenfalls standen wir plötzlich, es war T+12, auf dem Parkplatz. Reflexartig ließ ich mich in den Fußraum fallen, was meinem Kleid nicht wirklich zuträglich war, denn um den Eingang herum entdeckte ich Fußvolk. Die ersten Gäste! „Wir pirschen uns von hinten an“, entschied ich. Dass wir uns dazu durch eine Hecke wurschteln und über die regennasse Wiese laufen mussten, interessierte mich zu diesem Zeitpunkt nur noch perifer. „Wenn du was willst, ist alles egal“, sagt mein Mann immer und je nach Situation, ist es ein Vorwurf oder ein Lob.

Hochzeitswolken

Die letzte halbe Stunde vor der Trauung verbrachten wir zweisam im Brautzimmer, warfen hin und wieder misstrauische Blicke auf den Wolkenhimmel vor dem Fenster (Open Air-Trauung und so) und versuchten, uns zu entspannen. Die Trauzeugen hatten alles im Griff, der Theologe war aufgetaucht und ich freute mich einfach nur auf den Tag, während mein Mann – bis dahin ennervierende Ruhe selbst – langsam zappelig wurde und sich nur noch mit Metalcore-Musik aus dem iPod beruhigen ließ.

Einmal sollten wir auf dem Weg zum Altar fast noch vom Weg abkommen, als das süße Blumenmädchen im Klosterhof zu den Klängen von „I belong to you“ forschen Schrittes die falsche Abzweigung nahm. Aber irgendwie schafften wir es doch noch durch den Mittelgang nach vorne und siehe da, in dem Moment, als wir uns auf den Stühlen niederließen, kam die Sonne raus und blieb uns bis nach dem Sektempfang hold. Danach war das Wetter dann den meisten schon egal.

Die Anfahrt sollte nicht die letzte Panne des Tages gewesen sein. Vielleicht schreibe ich im nächsten Jahr über Hochzeitstorten und DJs 🙂 Aber trotzdem war es ein wunderschöner Tag, der mit all seinen Begegnungen und Geschichten – den lustigen, nervigen, rührenden und schönen – unvergesslich ist.

Alles Liebe zum Hochzeitstag, mein Schatz!

Deine – und natürlich Eure – Nachbarin

Geschafft!!!

PS: Einen Tag nach der Trauung rief mein Vater an: „Ich weiß jetzt, was mit dem Navi los war. Es war auf ökonomische Streckenführung eingestellt und hat Schnellstraßen und Autobahnen vermieden.“ Drum versuche, wer sich ewig bindet, am Tag der Trauung keinen Sprit zu sparen 😉

Wie wir mal fast zu spät zu einer Hochzeit kamen (also zu unserer eigenen)

Wie wir mal fast zu spät zu einer Hochzeit kamen (also zu unserer eigenen)

Heute vor vier Jahren genau, saß ich mit dickem Bauch völlig entnervt auf dem Bett und schrie meinen Mann an. Es war vier Tage vor unserer Hochzeit, ich im siebten Monat schwanger, gerade hatten wir einen aufreibenden Umzug hinter uns. Die Schwiegereltern waren schon angereist und es gab noch so UNENDLICH viel zu tun. Während meine Schwiegermutter in der Küche eine perfekte dreistöckige Hochzeitstorte zauberte, saß mein Schwiegervater am Küchentisch und tütete seelenruhig kleine weiße und rosa Zucker-Mandeln in 87 Organza-Säckchen ein. Mein Vater schnitzte in seinem Werkzeugkeller ein riesiges weißes Holzherz für die Fotosession und meine Mutter fertigte wunderschöne Blumengestecke, meinen Brautstrauß und die Dekoration fürs Brautauto.

Währenddessen versuchte ich – tiefer in der Schwangerschaftsdemenz versunken als Atlantis im Meer – noch an all die tausend anderen endwichtigen Dinge zu denken, die als undefinierbare Masse durch mein Hirn waberten. Erschwerend kam hinzu, dass ich zu dieser Zeit KEINE – also ABSOLUT KEINE (nicht mal eine Tafel am Tag) – Schokolade essen dufte: Ich hatte Schwangerschaftsdiabetis. („Nein, nur leicht erhöhte Zuckerwerte und du hast dich total verrückt gemacht“, wirft mein Mann immer ein, wenn ich davon erzähle. „Ja, Schatz, ich war halt schwanger, das impliziert reinsteigern.“) Außerdem grassierte dieser schlimme, damals noch ungeklärte EHEC-Virus und ich aß eigentlich gar nichts mehr, aus Angst, mir was einzufangen. Das Ganze war meinem Nervenkostüm, das ja bekanntlich eher so Bettlaken- als Dauenendecken-Niveau hat, NICHT zuträglich. Und meinem Mann auch nicht.

Er hat mich trotzdem geheiratet. Auch wenn die Anfahrt zum Kloster, wo die Trauung im Garten stattfinden sollte, uns fast noch davon abgehalten hätte: Es begann damit, dass ich gestiefelt und gespornt, also in voller weißer Montur vor unserem Haus stand und wartete: Darauf, dass mein Mann und meine Eltern mit dem Brautwagen um die Ecke biegen würden, um mich einzusammeln. Ich hätte auch gleich mit zum Parkplatz gehen können und hätte es auch besser getan, wollte aber meine gerade erst neu erworbene Nachbarschaft nicht mit meinem auffälligen Auftritt verschrecken. Man weiß ja nie. Heute, da ich sie kenne und liebe, wäre das natürlich kein Thema mehr.

Da stand ich also, bibberte in der kühlen Morgenluft und schaute misstrauisch auf die sich türmenden Wolkenberge am Himmel. Mit der einen Hand hielt ich mein Täschchen an die Brust gepresst und mit der anderen meinen Bauch. Meine jüngste Sorge war, dass ich unseren Theologen seit Tagen nicht erreicht hatte. Würde er kommen oder würden wir in zwei Stunden alleine vor versammelter Hochzeitsgesellschaft stehen… Ich übte schon mal eine Rede und ein kleines Liedchen – irgendwas muss man den Leuten ja dann bieten, wenn sie zum Teil viele Tausend Kilometer aus dem Ausland einfliegen und dann findet die Hochzeit gar nicht statt. Nach fünf Minuten rumstehen, Sorgen machen und leise „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ trällern, begann ich mich vorsichtig zur fragen WOINALLERWELTMEINEVERWANDSCHAFTMITDEMAUTOBLIEBHERRGOTT!

Ein Mütterchen kam auf ihren Rollator gestützt vorbei, sah mich Streichholz mit rotem Gesicht und flammendem Haupthaar am Wegesrand stehen und fragte mitfühlend: „Kann ich Ihnen helfen?“ Ja, wollte ich antworten. „Nehmen Sie mich mit, ganz egal wohin. Irgendwo hin. Oder, Moment, kennen Sie vielleicht einen Pfarrer, der uns spontan trauen könnte, nur für den Fall, dass unser Theolge nicht kommt? Oder wenigstens einen Chauffeur, falls mein Mann und meine Eltern auf den 50 Metern zum Parkplatz ins Bermuda-Dreieck gefallen sind.“

Ich bremste mich im letzten Augenblick, schließlich hätte mir der Pfarrer ohne meinen Mann auch nicht viel genützt und piepste stattdessen: „Kennen Sie die zweite Strophe von „Ein Vogel wollte Hochzeit machen?“ Sie lächelte in sich hinein und tätschelte mir liebevoll die Hand: „Ich wünsche Ihnen einen unvergesslichen Tag“, sagte sie und ging davon. Den habe ich jetzt schon, dachte ich, als ich schweren Herzens mein Kleid raffte und mit so viel Würde wie möglich zum Parkplatz lief…

Das war natürlich erst der Anfang des steinigen Umweges, der uns am Ende unglaublicherweise doch noch vor den Traualtar führte, ohne dass ich aus Stress vorzeitig niedergekommen wäre. Weiter geht es im nächsten Post, wenn ihr mögt!!

Sommergrüße und Luftküsschen!

Eure Nachbarin

Quality-Time oder…

Quality-Time oder…

Kürzlich abends ist es schon wieder passiert. Das Kind schlief freiwillig und um acht. Ein Samstagmorgen ohne Stress warf seine goldenen Schatten voraus. Quality-Time für Papi und Mami. Äh, für Ehemann und Ehefrau, meine ich. Zwei Liebende, die irgendwie nie dazu kommen. Es sei denn man hält Gespräche wie „Schahatz! Du hast schon wieder deine schwarzen Socken in die weiße 60-Grad-Wäsche geschmissen!“ oder „Mutti!!! Du wolltest doch die Umsatzsteuervoranmeldung machen.“ Oder: “ Du kämmst ihr die Haare!“- „Nein, Du!“- „Ich hab heute das Auto getankt“ – „Mist, okay!“ für Liebesgesäusel.

Also Quality-Time! Entspannen, loslassen, genießen… Nein, nicht, was ihr wieder denkt. Ich rede von einem gemütlichen Fernsehabend, ohne dass ich frühzeitig aus Erschöpfung auf dem Sofa kollabiere. Wobei Fernsehen ist vielleicht das falsche Wort: Wir leben schließlich in einer Demand-Gesellschaft (sagt zumindest mein Mann) und da hat man dann eine Firebox oder wie das heißt und kann sich Serien und Filme nach eigenem Gusto auswählen. (Nach dem letzten Tatort, in den ich aus Versehen reingeraten bin, finde ich das auch ganz wichtig.) Und genau hier – also bei der Auswahl endet jedes Mal unsere Qualitiy-Time…

Mars versus Venus

Selbstverständlich sind mein Mann und ich einzigartige, außergewöhnliche, hochindividuelle Geschöpfe. Manchmal aber leider auch nur wandelnde Klischees von Mars und Venus. Ohne Shuttle dazuwischen… Wir flippen uns also zunächst motiviert durch gefühlte 150 Filme und Serien, ohne auch nur ansatzweise auf einen Nenner zu kommen. Es fängt schon bei der Farbe an: Schatzi mag Cover in schwarz, grau, rot (für Blut) und dunkelblau (für düsteres Mondlicht). Ausnahme: Twighlight! Sowas fällt garantiert NICHT in sein Repertoire. Ich mag – wie auch im Leben – helle Töne, grün, pink, gelb – ach, einfach Farben halt. Am liebsten sehe ich gesunde, fröhliche Menschen und keine Zombies oder Leute, bei denen der Augapfel aus der Höhle fällt. Das muss doch weh tun!


Von Horror bis Splatter

„Ich finde, ich habe eine große Bandbreite“, sagt mein Mann. Also Horror, Psycho, Splatter, Endzeitgeschichten, Sci-Fi, Action und Zombiefilme. Ich finde, ich habe eine große Bandbreite: Also Komödien, Liebesfilme, Drama, Familienfilme, Off-Broadway-Filme, Action, Biografien, Klassiker und Musikfilme. „Ein bisschen Anspruch sollte schon dabei sein“, sagt mein Mann. Und ich sage in den nächsten fünf Minuten gar nichts, weil ich von einem Lachanfall geschüttelt werde. Na bitte, da hab ich meine Comedy ja schon. Der aufmerksame Leser wird eventuell festgestellt haben, dass Action in der Tat auf beiden Listen vorkommt. Aaaaber, auch bei Action gibt es eine Bandbreite. Von Conan der Barbar (niemals!) bis zu Mission Impossible (Joooaaaar, alle schon durch).

Raaapüüüüü!!!

Soll heißen, alle Filme, die in irgendeiner Form kompatibel sind, haben wir schon gesehen. Also die fünf. Seitdem landen wir jedes mal bei einem schlechten Kompromiss, den wir einhellig nach zehn Minuten ausschalten. Das ist dann der einzige Moment der Eintracht bei unserem Paarabend. Mein Mann sagt dann resigniert  Dinge, wie: „Ach, guck du doch ‚How I met your mother‘, ich spiel noch ein bisschen!“ und ich antworte entkräftet: „Oder guck du doch ‚The Walking Dead‘ und ich schlaf schon mal ein bisschen.“ Auf der Couch, während mein Mann sich das Gemetzel reinzieht. Da kann ich super schlafen, denn er wacht gleichzeitig über mich und schaut nach unserem Töchterchen, wenn sie ruft. „Ehe ist so was Schönes!!“ denke ich noch. Dann versinke ich in völliger Verantwortungslosigkeit und genieße: ECHTEN Quality-Sleep!

PS: Dass ich selbst in meinem Leben schon zu viel Horror, Splatter und Psycho gesehen habe, dämmerte mir, nachdem ich „Drop-Eye-Jonny“ oben im mittleren Bild skizziert hatte. Danach ging ich nämlich ans andere Ende der Wohnung, um mich umzuziehen und hörte im vorderen Teil plötzlich eine Holzdiele knacken. Mein erster Gedanke war: Oh Mann, jetzt ist er lebendig geworden!!! Glücklicherweise (auch für die Nachbarn) kam ich zur Besinnung, bevor ich mich in Shirt und Schlüpper vom Balkon abseilen konnte…

Zum vierten Hochzeitstag

Zum vierten Hochzeitstag

Zehn Gründe, warum ich gerne mit meinem Mann verheiratet bin…

  • Weil er zuhört, auch wenn er weghören könnte.
  • Weil er Dinge zu mir sagt wie: „Du musst das nicht tun!“
    oder „Wenn es dir wichtig ist, gehe ich mit!“ oder auch „Du schaffst das!“
  • Weil er wirklich und in echt Gänsehaut bekommt, wenn er Metallica
    hört.
  • Weil er unsere Tochter trotz Rückens noch dreimal
    mehr in die Luft wirft, wenn sie „Bitte, bitte hang time machen“ ruft.
  • Weil er seine Wimpern an sie vererbt hat! Darüber
    freue ich mich immer noch jeden Tag!
  • Weil er weiß, dass ich mich unglaublich freue, wenn er
    Einrichtungszeitschriften für mich mitbringt UND weil er sich die Zeit nimmt,
    genau die auszusuchen, die am besten meinen Geschmack trifft.

  • Weil er mich so laut und anhaltend zum Lachen bringt, dass
    meine Tochter anfängt zu brüllen, weil sie den Witz nicht verstanden hat.
  • Weil er über mich lachen kann und über sich selber auch.
  • Weil er seinen Platz zu Hause bei seiner Familie hat und
    nicht um die Ecke bei seinen Kumpels und er trotzdem viele Kumpels hat.
  • Weil er mir, wenn wir ohne Tochter unterwegs sind, die
    Beifahrertür aufhält. Immer noch!
  • Weil ich mich auf die Zehenspitzen stellen muss, wenn ich
    ihn küssen will.
  • Weil er mich massiert, wenn der Rücken schmerzt.
  • Weil er auf mein: „Lass uns jetzt nicht streiten“ gar nichts
    antwortet und mich kurz darauf in den Arm nimmt.
  • Weil er viel lieber salziges Popcorn isst, als Schokolade und so mehr für mich bleibt.
  • Weil er nur vier Tage arbeitet, um drei Tage mit uns
    verbringen zu können!
  • Weil er seine Zombiefilme mit Kopfhörern schaut, damit ich das Gemetzel nicht mit anhören muss.
  • Weil er sich über meine Chickflick-Bücher lustig macht, sich aber
    ohne mit der Wimper zu zucken, die ganze Story erzählen lässt.
  • Weil er sensibel ist, aber kein Weichei.
  • Weil er aussieht, wie „James Bond in gut“, wenn er morgens
    das Haus verlässt.
  • Weil er immer für uns da ist.

Okay, das waren jetzt mehr als zehn Gründe, aber noch lange
nicht alle und ich war gerade so schön im Flow!! Danke für vier wunderbare Jahre, M. Chen!