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Total unpolitisch!

Total unpolitisch!

So, das neue Jahr ist dreizehn Tage alt, die Nachbarin heute ganz genau ein Jahr (Happy Birthday, altes Haus!!!) Und ich fühle mich in der Tat etwa zwei Monate jünger, als noch beim letzten Post. Soll heißen statt Ende 47 mehr so Mitte 47. Das ist doch schon mal was!

Ob es an meiner Low-Carb-Diät liegt, bei der man alles Leckere weglässt und die ich seit sage und schreibe 12 Tagen durchhalte. Oder an dem Quentchen mehr Bewegung, die ich mir in letzter Zeit gegönnt habe (Schneemann bauen, Schlitten plus Pirelli-Tochter den Berg hoch ziehen). Oder aber doch an den drei Wochen Urlaub, die hinter mir liegen – ich weiß es nicht. Aber ich mache erst mal so weiter! Also, abgesehen
vom Urlaub. Seufz!
Die Nachrichten(p)lage
Was an meiner wundersamen Verjüngung sicherlich nicht schuld ist, ist die Nachrichtenlage, der ich mich ja – gemäß meiner guten Vorsätze für 2015 – seit einigen Tagen widme. Ich weiß nicht, wie es Euch so geht, aber wenn ich dieses Jahr ein erstes graues Haar auf meinem Kopf finden sollte, liegt es sicherlich an dem, was da draußen so passiert.
Paris

Eigentlich gehe ich ja durchs Leben mit der Haltung: „Wenn‘s wirklich wichtig ist, wird es mich schon erreichen!“ So ganz stimmt das offensichtlich nicht, denn ich war dann doch überrascht: „Waaaas, die Insel Mayotte im Indischen Ozean ist jetzt Teil der EU?“ Andererseits, erreichte mich die Meldung vom Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in der Lagerhalle eines
Baumarktes, wo gerade das Radio lief, als wir Laminat fürs Arbeitszimmer ins Auto luden. Also, mein Mann lud – ich musste ja Radio hören…

Nun ist die Nachbarin ja alles andere als politisch und positioniert sich höchstens bei Fragen wie: Minitulpen oder Traubenhyazinthen als Frühblüher in den Balkonkasten? (Beides) Bzw. Gemüsepfanne oder Buchweizen-Auflauf zum Abendessen? (Beides nicht). Aber auch ihr ist klar, dass es am 7. Januar um Dimensionen ging, die größer sind als Bleistift gegen Kalaschnikow – obwohl das Bild stimmt.
Und wenn sich die Nachbarin dann vorstellt, dass ihr Töchterlein schon drei ist und irgendwann anfangen wird, die richtigen Fragen zu stellen, so nach dem Sinn und nach der Gerechtigkeit in der Welt… dann schaut und hört und liest die Nachbarin lieber nicht so oft Nachrichten, aus Angst, sie könnte die Antwort darüber vielleicht vergessen.
 
„Völlig falscher Ansatz!“
Ja, ja, sagt das mal der Nachbarin. Aber hinter dem Gartenzaun ist es ja gerade sooo gemütlich. Durch die Latten sieht man diese Menschen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen durch die Straßen laufen und skandieren – und es ist doch gar nicht WM?! Irgendwas von wegen „Abendland retten“. Ich kann es nicht genau verstehen, die Gegendemonstranten rufen so laut nach Frieden und Toleranz…

 

Alle Latten am Zaun
Andererseits: Was so eine Nachbarin ist, ist ja irgendwo auch eine Frau der Tat! Und weil die Maus noch keine Fragen stellt, die mit dem Sinn und der Gerechtigkeit der Welt zu tun haben, aber schon wunderbar mit Pinsel und Farbe umgehen kann, malen wir einfach den Gartenzaun bunt an. Dabei lernt
sie schon mal, dass viele Farben schöner sind als eine.Und alles andere? Da braucht unsere Nachbarin noch ein bisschen Zeit und versucht für den Anfang einfach mal die Nachrichten zu ertragen…In diesem Sinne: Weitermachen!

Danke!!!

Heute möchte ich mal ein ganz zittriges, fettes „Danke“ loswerden, an denjenigen, der zuständig dafür ist, dass mein Bruder sich das Bein verstaucht hat. Denn alles andere hätte nur viel, viel schlimmer kommen können, als er gestern in Köln-Mitte auf dem Roller volle Breitseite von einem Auto erfasst wurde.

Das Moped ist Schrott, mein Bruder ist heile!! Danke, danke, danke! Auch an den Kölner Star-Arzt, der am übervölkerten Barbarossaplatz nicht nur der einzige Zeuge, sondern auch Ersthelfer war und ihn vom Laternenpfahl gepflückt hat. Ein paar Fragen sind allerdings offen. (Also, neben der, wo das Auto eigentlich plötzlich herkam):

Wieso war die erste Aktion der Polizisten am Unfallort, mit Farbspray einen Umriss um meinen Bruder auf die Straße zu zeichnen, bevor überhaupt der Krankenwagen da war? Ist das normal??? Und was nützen öffentliche Videokameras, wenn die bewegten Bilder nicht zur Klärung eines Unfalls hinzugezogen werden?

Ach ja, und was kann man eigentlich alles in der Zehntelsekunde denken, in der man über den Asphalt schlittert? Letzteres konnte mein Bruder mir schon mal beantworten. Es ist erstaunlich und klingt in etwa so:

„Uups es hat gekracht… Hmm, das sieht nicht gut aus… Wo kam denn das Auto plötzlich her, ich hatte doch grün… Na, wenigstens bin ich dann nicht Schuld… Ach ja, gut dass ich’s denke, ich sollte vielleicht trotzdem der Versicherung Bescheid geben… Oh, da kommt ein Laternenpfahl. Kann ich dem ausweichen? Nein, leider nicht. Wie bedauerlich! Gut, dass ich mit den Beinen voran unterwegs bin, auf diese horizontale Art und Weise…“

IN DER TAT!! An dieser Stelle nochmal vielen, vielen Dank dafür!!! Und der dringende Hinweis an meine Eltern: Fahrt bitte nicht mehr in den Urlaub! Immer, wenn ihr auf Reisen seid, passiert irgendetwas. Das sieht sogar mein Mann und der ist das Gegenteil von esoterisch.

Alles fing damit an, dass ich mit 14 das erste Mal allein zu Hause bleiben durfte und mir prompt eine fette Magen-Darm-Grippe eingefangen habe, ohne die lindernden Worte und Hausmittelchen meiner Eltern in Reichweite. Seither ist aber auch immer etwas gewesen.

Von „nicht so schlimm“ bis zu „schlimmer geht’s nicht“. Bitte kauft euch einen Hund und macht Wochenendtrips in den Harz! Aber vorher kommt erst Mal gesund und munter zurück!! Es ist offensichtlich: Ihr werde hier gebraucht, auf eine ominöse transzendente Weise…